MAGIE

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Drakion nahm eine Schale mit dem Abbild eines Drachens hervor und stellte vier Kerzen in den einzelnen Himmelsrichtungen auf. Die Schale platzierte er in der Mitte. Dann nahm er einen kleinen Beutel hervor und ging rechtsherum in einem Kreis um die Gegenstände. Dabei streute er den Inhalt des Beutels in einer feinen dünnen Linie hinter sich. Als der Kreis geschlossen war, züngelten plötzlich rotblaue Flammen auf, die in der Luft schwebten, aber nichts von dem verbrannten, was sich um sie herum befand. Carador hielt den Atem an, als Drakion seltsame beschwörende Worte murmelte, sich dann in jede Himmelsrichtung wandte und die Kerzen entzündete. Zum Schluß zeichneten seine Finger ein archaisches Zeichen über die Drachenschale, aus der eine hellrote Stichflamme emporschoß, die ebenfalls nichts von den hölzernen Balken des Zimmers verbrannte. Es war, als wenn sie einer anderen Dimension angehörte. Die Flamme wurde größer und größer, bis sie Drakion ganz eingehüllt hatte. Das rotblaue Licht waberte um seinen Körper. Seine Konturen wurden unscharf und zerflossen. Carador blinzelte. Träumte er oder sah er tatsächlich die Umrisse eines Drachen, der dort im Feuer schwebte? Er war nicht sehr groß, jedenfalls kleiner als die Drachen, von denen er von Gwrnach, dem Gelehrten auf seiner Burg, gehört hatte. Seine Schuppen waren dunkel und schimmerten grünlichschwarz im Zauberlicht. Als sein Blick Carador traf, war dieser erstaunt über die Augen des Drachen. Der Blick war so scharf und die Augen selbst waren so groß, daß sie durch ihn hindurchzusehen schienen, als wenn sie jeden seiner Gedanken lesen könnten. Carador versuchte, seine Gedanken abzuschirmen, aber im nächsten Augenblick war der Spuk vorbei. Der Raum war leer. Der bläuliche Lichtkreis sank langsam auf den Boden herab, wo er verlöschte und auch die Flamme in der Mitte verblasste, bis nichts mehr von ihr zu sehen war. Carador fröstelte, er griff reflexartig nach seinem Schwert und hoffte nur, daß er Drakion vertrauen konnte.