Interview mit Silbermond (aka Antje Grüger aka Luna S. Venice)

 

Fragen von Björn Haubrock, Reporter von "Radio Herford"

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Mir eigene Geschichten auszudenken oder Geschichten zu lesen, die alte Geschichten aus einer anderen Sichtweise erzählen, hat mich schon immer fasziniert. Seit meiner Kindheit habe ich  mir immer gerne Märchen ausgedacht oder Bücher über Sagen und Mythen und die Symbolik gelesen, die in alten Erzählungen auftaucht. Natürlich habe ich auch immer sehr gerne Bücher gelesen, die besonders aus der Sicht der Frauen erzählt werden, bzw. in denen Frauen eine entscheidende Rolle zukommt. "Die Nebel von Avalon" sowie fast alle anderen Bücher von Marion Zimmer Bradley habe ich mit Begeisterung gelesen. Mit 13 habe ich fast alle "Angelique" Bücher verschlungen. Später habe ich gerne Bücher von Barbare Erskine gelesen, die ebenfalls immer weibliche Hauptpersonen haben, gruselig, spannend und meist auch romantisch sind, während sie Gegenwart und Vergangenheit verbinden.

Dass ich dann selbst angefangen habe, Geschichten zu schreiben, die einen erotischen Hintergrund haben, begann zu der Zeit, als das Internet immer mehr Einzug in fast jeden normalen Haushalt fand, und so auch bei uns ;-) Das Internet bietet ja eine geniale Möglichkeit, mit Personen aus verschiedensten Ländern zu kommunizieren, die man sonst niemals kennengelernt hätte. Über das Internet lernte ich den sehr netten Herausgeber einer kanarischen Zeitschrift auf Lanzarote kennen, mit dem ich längere Zeit interessanten Email-Kontakt hatte. Von ihm habe ich übrigens auch den Namen "Silbermond", ich weiß gar nicht mehr in welchem Zusammenhang er mich so genannt hat, aber bei alle Geschichten, die ich im Internet veröffentlicht habe, war seitdem "Silbermond" die Autorin.

Aus Spaß habe ich ihm dann nach einiger Zeit eine ziemlich erotische Kurzgeschichte geschickt, die ich vor kurzem geschrieben hatte,  grade als ich einige Zeit in erotischer Hinsicht "auf dem Trockenen lag", also ein ziemlich witziges erotisches Schlüsselerlebnis ;-) Die Geschichte hieß dann auch "Secadia" und handelte von einem großen Gebiet in einem mexikanischen Dschungel, das seit Jahrhunderten von einer mysteriösen Dürre befallen war.  Die Hauptperson, eine Teilnehmerin an einer Forschungsexpedition, die dieses Gebiet erforschen will, gerät durch die erotische Begegnung mit einem Eingeborenen in eine andere Zeitebene und kommt so der Ursache der Dürre auf die Spur, die durch den schrecklichen Fluch einer gedemütigten Zauberin ausgelöst wurde. Es gelingt ihnen, durch die Macht der Liebe und der Erotik den Fluch zu bannen. Sie kommt zurück in die Gegenwart, in der sich das verdorrte Gebiet in eine blühende Landschaft verwandelt hat.

Meinem Bekannten hat diese Geschichte so gut gefallen, dass er mich ermutigt hat, weitere Geschichten dieser Art zu schreiben. Leider war die Geschichte zu erotisch für seine Zeitschrift, aber ich habe später eine entschärfte Version der Geschichte "Die Hüterin des Feuers" für seine Zeitschrift geschrieben, die in einer Vulkanlandschaft spielte, passend zu Lanzarote also. In dieser Geschichte wird ein junges stummes Mädchen von einem Mann gefunden, der auf der Suche nach der "Hüterin des Feuers", der Herrin der Vulkane ist, um sie um Hilfe für sein Dorf anzuflehen, das von einer Seuche befallen ist. In der Nacht verschmilzt die "Hüterin des Feuers" mit dem jungen Mädchen und durch ihre sexuellen Energien wird das Dorf von der Seuche befreit, auch wenn sie selbst dabei ums Leben kommt.

In den beiden Geschichten sind schon zwei Sachen enthalten, die auch in meinen Geschichten später immer wieder vorkommen, und die mich von da an immer fasziniert haben:

Zum einen liebe ich gegensätzliche Frauen - die Frau als Vamp, Verführerin, Zauberin, Hexe, all das was von der "Gesellschaft" oft verdrängt wird und andererseits das "mädchenhafte" Wesen der Frau.

Dann Erotik als Zauber und verwandelnde Magie, die auch zweischneidig sein kann ebenso wie das Wesen der Frauen. Einerseits heilkräftig und verzaubernd, dann aber auch gefährlich und todbringend.

Mein Sternzeichen ist "Fisch", das ja auch manchmal als zwei Fische dargestellt wird, die in unterschiedliche Richtungen wollen, genauso wie ihnen nachgesagt hat, immer zwischen Realität und Traum zu wandern ;-)

Ebenfalls über das Internet lernte ich Clara Gerl kennen, eine Amerikanerin, die bereits ein paar sehr schöne Geschichten, die in Richtung "Fantasy" und "Dark Fantasy" gingen, im Eigenverlag  veröffentlicht hatte. Mit ihr habe ich eine Zeitlang ein Online Rollenspiel gemacht, in der wir uns in die Rolle einer Fantasyfigur versetzt haben und abwechselnd  die Erlebnisse ihrer Begegnung und der Begegnung mit anderen Personen in einer zusammenhängenden Geschichte geschrieben haben.

Da ich auch eine besondere Liebe zu Drachen und ihrer Symbolik habe, habe ich einige Drachengedichte geschrieben, in denen Drachen nicht als blutrünstige Ungeheuer beschrieben werden, sondern in ihrer Verbindung zu den Kräften der Erde und ihrer Magie (auch hier auf meiner Homepage unter "Drachen" zu lesen). Clara Gerl hat sie in ihr Buch "Wings of Inspiration" mit aufgenommen.

Als ich nach ungefähr zwei Jahren genug Geschichten und Gedichte geschrieben hatte, um ein Buch damit herauszubringen, beschloss ich, es selbst bei "Books on demand" zu veröffentlichen. Im Jahr 2000 ist es unter dem Titel "Elementare Geheimnisse" erschienen

Einige Zeit später hatte ich das große Glück, dass Angela Weiß, Herausgeberin der erotischen Frauenbuchreihe "Plaisirs d'amour" auf mich aufmerksam geworden ist und mich gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, einen erotischen Fantasyroman zu schreiben. Das war natürlich eine Herausforderung für mich, da ich bisher nur kürzere Geschichten geschrieben hatte. Aber dann ging es besser als erwartet. Die Geschichte hat sich fast wie von selbst geschrieben. Ich nahm eine meiner Lieblingsgeschichten aus den "Elementaren Geheimnissen", eine Erzählung namens "Silvermoon Geheimnis" und spann sie einfach weiter. Angela hat inzwischen ihren eigenen Verlag "Plaisir d'amour" aufgemacht und die Geschichte ist dort bereits als e-book erschienen und wird im Februar 2005 als Taschenbuch erscheinen. 

Da ich es auch liebe, bekannte Geschichten auf eine neue Art zu erzählen, bzw. Personen aus Mythen und Legenden mit Ereignissen aus der Gegenwart zu verknüpfen, entstand danach die erotische Novelle "Stroh zu Gold spinnen", die eine andere Version des Märchens von "Rumpelstilzchen" erzählt, sowie das Buch "Liliths Töchter", die ebenfalls im Verlag "Plaisir d'amour" erschienen sind.

 

Welchem Genre würden Sie Ihre Geschichten zuordnen? 

"Der Schatz der Drachensänger" gehört sicherlich zum Genre "Erotische Fantasy", da er neben den "klassischen" Fantasyelementen wie Drachen, Zwergen, Rebellen, Zauberern, Magie etc. auch viele erotische Szenen enthält und auf einem (wahrscheinlich ;-) nicht existierenden Planeten spielt. Falls die Fortsetzung des ersten Teiles der "Drachensänger" veröffentlicht wird - das wird sich danach richten, wie gut das erste Buch ankommt - wird man etwas denn Zusammenhang des Planeten Tzirrah, auf dem der erste Teil spielt, mit unserer Erde erfahren und über den Ursprung der "Drachensänger".

Der zweite Teil heißt "Das Tor zu den Sternen" und hat einige Science-Fiction Elemente, aber auch Anspielungen auf die sumerische Mythologie. Außerdem spielt der zweite Teil teilweise auch auf unserem Planeten Erde. Hier habe ich zum ersten Mal versucht, mythische Vergangenheit und unsere Gegenwart mit Elementen der Fantasyliteratur zu verknüpfen. 

Der Erotikfaktor ist hier schon nicht mehr so hoch, da ich da eine Unmenge an Ideen zum Handlungsverlauf hatte, die ich einbauen wollte, so dass die Wortanzahl bereits die bei "Plaisir" vorgegebene Wortanzahl gesprengt hat, und daher sowieso gekürzt werden müsste.  Die Erotikszenen habe ich erst im zweiten Durchgang geschrieben.

In "Liliths Töchter" habe ich dann zum ersten Mal versucht, unsere etwas "jüngere" Vergangenheit (15.Jahrhundert) mit der Gegenwart zu verbinden. Es tauchen auch historische Personen auf (Caesare Borgia, Papst Alexander VI, Lucrezia Borgia, Heinrich Institoris) sowie Lilith, die geheimnisvolle und starke rebellische Frauengestalt aus der jüdischen Sagenwelt, die in unserer Bibel nicht erwähnt wird, aber deren Geschichte trotzdem bis ins Mittelalter (natürlich als dämonisierte blutrünstige Frauengestalt) auch in volkstümlichen christlichen Legenden  weiterlebte.

Da   Lucilla  aus der Gegenwart immer wieder in die Ereignisse aus der Vergangenheit versetzt wird, gibt es hier auch einige Elementen des Zeitreiseromans.

Vielleicht ist es also ein historischer Mystery-Zeitreiseroman ;-)) ?

Die Beschäftigung mit den historischen Ereignissen im Mittelalter, und meinen Ideen, wie sich die Menschen damals verhalten haben könnten,  und den Legenden um Lilith war jedenfalls sehr spannend und hat sehr großen Spaß gemacht. Daher wird "Liliths Töchter" auch bestimmt nicht mein erster und letzter Roman bleiben, in der ich versuche, in die Gedanken und Gefühle interessanter historischer Persönlichkeiten zu schlüpfen, bzw. ihre Gedanken und Gefühle mit meinen Ideen zu vermischen ,-)

 

Woher nehmen Sie die Inspiration zum Schreiben? Gab es eigene Erlebnisse?

Die Inspiration kommt manchmal von einer Sekunde zur anderen. Die besten Ideen habe ich, wenn ich entweder körperlich sehr aktiv bin oder alleine ganz gemütlich bei einer Tasse Tee sitze, und meine Gedanken schweifen lasse oder manchmal durch einen Traum.

Die Idee zu der "Keimzelle" vom "Schatz der Drachensänger", der Geschichte "Silvermoons Geheimnis" hatte ich zum Beispiel beim Schlittschuhlaufen ;-) Damals war es nur die Idee, dass ein junges unscheinbares Mädchen in ein Rebellenlager kommt, das ein großes Geheimnis in sich trägt und ihrer Liebe zu dem Anführer der Rebellen, die sich keiner eingestehen will. Daraus hat sich dann ein ganzes Universum an Ideen entwickelt ;-)

Die Idee zu meiner Geschichte "Wolfsfrau" aus den "Elementaren Geheimnissen" hatte ich, als ich im Fernsehen ein Rudel Wölfe durch eine Schneelandschaft habe rennen sehen.

Der Auslöser zu "Das Tor zu den Sternen" war ein Buch über Zeitreisen, in dem die These aufgestellt wurde, daß sich in den ägyptischen Pyramiden ein "Stargate = Sternentor" befindet, das die Reisen in andere Welten und Dimensionen erlaubt, sowie Bücher von Erich von Däniken und Zacharia Sitchin, die von der ursprüngliche Besiedelung unseres Planeten durch eine außerirdische Rasse überzeugt sind.

Als ich mit meinen Ideen zu "Liliths Töchter" nicht so recht weiterkam, hatte ich mir gewünscht, etwas inspirierendes zu träumen. Das hatte zwar einige Zeit gedauert, aber dann hatte ich von einer ägyptischen Frauengestalt geträumt, die mit mir über eine riesige Landschaft geflogen ist und einen blutroten Ring am Finger getragen hat. Später habe ich dann einen wunderschönen Granatring auf einem Basar gesehen, den ich jetzt noch immer trage. Dieser Ring wurde dann zum "roten Faden", der die Geschichte um Lilith durchzieht. 

Was die eigenen Erlebnisse angeht - meist ist meine blühende Phantasie da etwas mehr für meine Geschichten verantwortlich, auch wenn das eine oder andere erotische Erlebnis vielleicht auch mal eine Inspiration geliefert hat.

 

Haben Sie einen Lieblingsplatz zum Schreiben?

"Der Schatz der Drachensänger" ist in einer kuscheligen Ecke bei uns im Wohnzimmer meist zu nächtlicher Stunde an einem Laptop entstanden, während ich Musik von Loreena Mc Kennit oder Blackmores Night gehört habe. Musik gehört für mich immer zum Schreiben dazu, soweit es möglich ist. Wenn schönes Wetter ist, nehme ich meinen Laptop auch gerne mit nach draußen und schreibe auf der Terasse.  

Handschriftlich habe ich lange keine Geschichten mehr geschrieben. Aber ich werde jetzt auch mal versuchen, ob es mir gelingt, in meinem Lieblingscafé etwas nettes zu schreiben. Ich habe eine paar neue Ideen für Kurzgeschichten für Angela, will aber nicht in dem Café mit meinem Laptop aufkreuzen. 

Die Ergebnisse gibt es bestimmt bald im Plaisir d'amour Verlag oder auf meiner Homepage zu lesen.

 

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