Leseprobe aus "Der Schatz der Drachensänger" von Antje Grüger

Carador kümmerte sich sonst nicht sonderlich um die Mägde, die in der Küche oder der Spinnstube beschäftigt waren. Sicherlich war es schon vorgekommen, daß einige besonders pralle Rundungen sein Begehren angestachelt und er die meist sehr willigen Frauen auf das Stroh, in die Backstube oder die Ställe gezerrt hatte. Kyrias Anblick hatte jedoch keinesfalls seine Ansprüche erfüllt, sie besaß weder die üppigen Rundungen noch die langen schwarzen Haare der Frauen, mit denen er sich sonst mit Vorliebe vergnügte.

Dennoch, als er sie dort an der Spindel sitzen sah, den Kopf schräg geneigt und mit ihrer schlanken Hand auf eine seltsame Art die Spindel drehend und den Faden abtastend, wurde auf irgendeine magische Weise eine Saite in ihm zum Klingen gebracht, von der er bisher nicht wußte, daß sie existierte. Der wunderschöne glasklare Klang ihrer Stimme, die leise ein Lied sang, trug ein Übriges dazu bei. Ihre schilfgrünen Augen sahen ihn an, aber es erschien ihm, daß sie ihn nicht wirklich sahen.

Bisher hatte er sie noch niemals bemerkt, was gewiß an der Tatsache lag, daß sie nicht sonderlich viel herumging, sondern sich während ihrer Arbeit meist an einer Stelle aufhielt. Der Grund dafür, ihre Blindheit, fiel ihm erst später auf. Er wäre niemals in die Spinnstube gegangen, wenn er nicht gerade seinen neuen Umhang abholen wollte, der fertig geworden war und den er an jenem Abend benötigte.

Erst als er das Wort an sie richtete, hob sie ihren Kopf.

„Mein neuer Umhang sollte fertig gewebt sein, ich wollte ihn mir einmal ansehen.“

Kyria zuckte bei dem Klang seiner Stimme zusammen. Bisher war sie ihm niemals persönlich begegnet oder zumindest hatte er niemals das Wort an sie gerichtet. Hier stand der Mann, der für die Zerstörung des Dorfes verantwortlich war, in dem sie so viele Jahre gelebt hatte, der seine Soldaten auf ihr Dorf gehetzt hatte,  der.... 

Sie hätte ihm am liebsten tausend zornige Worte entgegengeschleudert, dennoch, bei dem Klang seiner Stimme versagte ihre eigene Stimme. Sie wußte zwar, daß das Garn, das sie spann, für die Kleidung von Carador und seiner Konkubine Shamira bestimmt war, dennoch war der Haß, den sie in den ersten Wochen ihres Aufenthaltes auf der Burg noch verspürt hatte und den sie mit jeder Umdrehung der Spindel in das Garn hereingewoben hatte, nach und nach einer seltsamen Gleichgültigkeit gewichen. Ein Tag lief wie der andere ab, langsam hörte sie auf darüber nachzudenken, wie sie auf die Burg gekommen war und wie ihre Zukunft aussehen sollte. Sie gewöhnte sich an das eintönige Leben als Bedienstete in der Burg, das nur durch die Späße von Bardor manchmal etwas aufgelockert wurde.

Dennoch – als sie jetzt seine Stimme hörte, spülte eine riesige Welle seltsamer widersprüchlicher Emotionen über sie hinweg. Unterdrückter Haß kam auf, der aber sofort von einem heißen Schauder hinweggespült würde, der durch ihren ganzen Körper rann. Durch ihre Blindheit waren ihre anderen Sinne so geschärft, daß manchmal der Klang einer Stimme oder die Berührung einer Hand eine ganze Flut an Gefühlen auslösen konnte. Als sich jetzt eine warme Hand auf ihre Schulter legte, fühlte sie flüssiges Feuer durch ihre Adern rinnen. Er stand jetzt direkt hinter ihr. Sie konnte ihn ja nicht sehen, aber ihre Sinne fühlten die männliche erotische Ausstrahlung, die von ihm ausging. Sie hielt den Atem an und ihre Finger verkrampften sich um die Spindel.

„Rühr mich nicht an, du Bastard,“ wollte sie schreien, aber nur ein leises Seufzen drang aus ihrer Kehle.

„Dieses Garn ist wirklich sehr fein gesponnen und der Stoff fühlt sich wunderbar auf der Haut an. Hast du es gesponnen?“

Kyria konnte nur nicken.

„Wie heißt du, Mädchen?“

„Kyria,“ flüsterte sie.

„Seltsam, daß ich dich bisher nie bemerkt habe. Solche Talente entgehen mir sonst eigentlich nicht. Ich bin sicher, daß du auch noch andere Talente hast.“

Seine Hand war etwas tiefer in ihren Ausschnitt gerutscht bis sie ihre Brustwarzen erreicht hatten, die sich unter seiner Berührung aufrichteten. Er rieb sie leicht zwischen Daumen und Zeigefinger und als sie leicht stöhnte, bemerkte er, wie er auch hart wurde.

Als er den Drachenanhänger sah, sagte er:

„Eine schöne Kette hast du da,“ wobei seine Hände nicht aufhörten, ihre Brüste zu liebkosen.

„Das gefällt dir, nicht wahr?“

Die Spindel war aus ihrer Hand gefallen und rollte unbeachtet auf den Boden.

Sie schloß die Augen, als sie seinen warmen Atem auf ihrer Schulter spürte und seine warme Zunge leicht über ihre Nackenbeuge strich. Seine Hände hatten währenddessen das Oberteil ihres Kleides heruntergeschoben und massierten und liebkosten leicht ihre nackten Brüste. Es wunderte ihn selbst, daß er so sanft mit ihr umging, es war normalerweise nicht seine Art. Seine Finger wanderten weiter zu ihrem Bauchnabel und strichen leicht über die Wölbung ihres Venushügels. Als sie das warme feuchte Fleisch darunter ertasteten, stöhnte sie leise auf und bäumte sich in ihrem Sitz auf. Sofort als er sie das erste Mal berührt hatte, hatte ihn ein seltsamer Zauber umfangen. Alles an ihm drängte ihn, sie zu beschützen und ihr so viel Genuß zu verschaffen, wie er es vermochte. Ihre Hände hatten sich um die Lehne ihres Stuhles verkrampft, ihr Atem ging stoßweise als er jetzt von vorne an sie herantrat, hastig seinen Gürtel aufschnallte und ihre Röcke hochschob. Kyria hatte niemals die Hände eines Mannes auf sich gefühlt, die ihr wirkliche Lust verschafft hatten. Sicherlich hatte sie mit Finn hin und wieder einen schüchternen Kuß ausgetauscht, aber sie waren zu unschuldig und zu unerfahren gewesen, um sich nach mehr zu sehnen. Und die Hände von Malkam waren grob und ungeschickt gewesen, als er sie auf dem Heu angefaßt hatte.

Oooooooh, was geschieht mit mir? Das ist so wundervoll, höre nicht auf! ... hätte sie am liebsten gerufen, aber ein leises Gefühl der Scham, daß sie seine Berührungen genoß, lies sie schweigen. Seine Finger waren jedoch so erfahren und schienen jede geheimste Stelle ihres Körpers zu kennen, die nur berührt werden mußte, um sie vor Lust erschauern zu lassen, daß sie bald sehr leise seufzte. „Ooooh, jaaaa, bitte, streichel mich weiter... das ist wunderschön...“ Fast hoffte sie, daß er es nicht gehört hatte, daß er nicht bemerkte, wie sie jede seiner Berührungen genoß, andererseits sehnte sie sich danach, daß er sie weiter streichelte. Er lächelte leise - ihr leiser Seufzer war ihm nicht entgangen - und ließ seine Hände jetzt von vorne um ihren Bauchnabel kreisen, ertastete die Wölbung ihres Rippenbogens, den zarten Ansatz ihrer Brüste und kniete sich schließlich vor sie zwischen ihre gespreizten Schenkel. Er bedeckte jeden Zentimeter ihres Bauches und ihrer Brüste mit seinen zärtlichen Küssen.

In einem kleinen Winkel ihres Bewußtseins flüsterte eine Stimme:

Nein, nein, was tust du nur? Stoße ihn von dir! Er hat Tod und Verderben über alle gebracht, die dich lieben! Vielleicht sind seine Soldaten sogar dafür verantwortlich, daß du nie wieder das Licht der Sonne erblicken kannst.

Brennender Scham durchflutete sie, mischte sich mit der glühenden Welle der Erregung, die durch sie hindurch schoß. Sie war nicht schwach und hätte ihn leicht mit ihren Händen und Füßen von sich stoßen können, hätte rufen können: „Verschwinde! Geh fort von mir! Du bist ein Unmensch, ein Tyrann, ein.....“ aber ihre Gedanken der Scham wurden von den wundervollen, nie gekannten Gefühlen weggeschwemmt, die er ihr bereitete, so daß sie fast unfähig war zu denken. Dennoch flüsterte wieder eine Stimme:

Wenn du es genießt, hast du alles verdient, was dir zugestoßen ist, dann hast du verdient, daß du nie mehr sehen wirst.

Aber für nichts in der Welt hätte sie in diesem Augenblick gewollt, daß er aufhörte.