Der Weiße und der Schwarze Schachspieler kehrten gleichzeitig zurück von ihrer Reise in die Vergangenheit.

Alles war so lange her. So viel war seither geschehen. Auch sie beide waren nicht mehr die jungen wilden Schamanen, welche die Kräfte der Natur lenkten und die Welt als etwas Kostbares ansahen, sondern sie vertrieben sich nun häufig die Zeit damit, gegeneinander zu spielen.

Als hätte der Schwarze Schachspieler die Gedanken seines Gegenübers erraten, huschte plötzlich ein diabolisches Lächeln über sein Gesicht.

"Ich finde, wir sollten einen Preis für den Sieger des Schachspiels aussetzen."

"Einen Preis?"

"Ja, denn ich glaube, es hat dich schon öfters gelangweilt, mit mir um die Seelen der Menschen zu pokern, die Karten haben wir ja schon lange beiseitegelegt. Warum sollten wir mit diesem Schachspiel nicht um etwas spielen, wonach es uns beiden verlangt?"

Der Weiße Schachspieler beugte sich interessiert vor. "Lass uns um Liliths Seele spielen."

Die Worte hingen in der Luft wie ein Blitz, kurz bevor er in die Erde einschlägt. "Niemand von uns weiß, wo sich Lilith in diesem Augenblick aufhält."

"Das ist richtig", wandte der Schwarze Schachspieler ein. "Dennoch leben ihre Töchter auf der Erde weiter, und sie hat ihnen ihren Schlangenring vererbt. Ihre Seele ist auch ein Bestandteil dieses Ringes."

 Ebenso wie unsere Seelen ebenfalls ein Bestandteil dieses Ringes sind. Der unausgesprochene Satz war beiden jedoch dennoch bewusst. Genauso wie ihr unausgesprochener Wunsch, ihre eigenen wahren Seelen, die sie in ihrem jahrtausendelangen Leben irgendwo zwischen den Mühlsteinen der Zeit verloren hatten, wiederzuerlangen. Aber auch das Bewusstsein, mit diesem Handel dem anderen womöglich Macht über sich selbst einzuräumen, sobald der andere in den Besitz des Ringes gelangte.

Aber was machte es schon? War nicht das ganze Leben nur ein Spiel? Der Weiße Schachspieler ergriff die ausgestreckte Hand seines Gegenübers und schlug ein.

"Einverstanden! Möge das Spiel beginnen!"

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